Die Wahl der richtigen Hebamme ist ein wichtiger Schritt in der Schwangerschaft. Eine Hebamme begleitet dich nicht nur während der Schwangerschaft, sondern vielleicht auch bei der Geburt deines Babys und in den ersten Wochen danach. Doch wie findest du die passende Hebamme für deine Bedürfnisse? Hier sind einige Tipps:
1. Frühzeitige Suche
Die Nachfrage nach Hebammen ist groß, daher solltest du dich möglichst früh – am besten direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest – um eine Betreuung kümmern. Viele Hebammen sind frühzeitig ausgebucht, insbesondere in Ballungsräumen wie den Sommerferien oder um die Weihnachtszeit.
Good to know:
Vielleicht willst du mit dem Bekanntgeben deiner Schwangerschaft noch warten, bis die ersten 12. Wochen vorbei sind und es dir und deinem Baby gut geht- das ist völlig in Ordnung. Allerdings solltest du so lange nicht mit der Hebammensuche warten, für den Fall, dass sich deine Schwangerschaft doch anders entwickelt und du eine Fehlgeburt hattest. Denn Hebammen betreuen Dich auch dann!
2. Unterschiedliche Betreuungsmodelle
Hebammen bieten verschiedene Arten der Betreuung an:
- Vorsorgeuntersuchungen: Neben dem Gynäkologen kann auch eine Hebamme die Schwangerschaftsvorsorge übernehmen und bietet dir zudem wertvollen Raum für all deine Fragen
- Geburtsbegleitung: Manche Hebammen arbeiten in Geburtshäusern oder begleiten Hausgeburten, aber es gibt auch Hebammen, die als Beleghebammen arbeiten und dich in die Klinik begleiten
- Wochenbettbetreuung: Die freiberufliche Hebamme unterstützt dich nach der Geburt mit Tipps zur Pflege, Ernährung, dem Stillen und vielen mehr über Wochen nach der Geburt
- Kurse: Viele Hebammen geben Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildung und bereiten Dich und Deinen Partner optimal auf euer neues Menschlein vor
Die Wochenbettbetreuung, oder auch Nachsorge genannt, kann nur durch eine examinierte Hebamme ausgeführt werden und durch keine andere Berufsgruppe, denn sie gehört zu den sogenannten „vorbehaltenen Tätigkeiten“ laut Hebammenreformgesetz (2019).
Wie du siehst, wird dich Deine Hebamme eventuell für eine sehr lange Zeit begleiten und dein Ansprechpartner sein.
Erkundige Dich also gut, welche Leistungen die jeweiligen Hebammen anbieten und was Dich anspricht.
3. Recherche und Empfehlungen einholen
Eine wichtige Voraussetzung ist, dass Deine Hebamme deinen Wohnort betreut, begrenze die Suche daher zuerst auf Hebammen in deiner Nähe. Hebammen, die weiter weg wohnen, werden Deine Betreuungsanfrage eher ablehnen.
In der Regel fahren Hebammen für eine Hausgeburtsbegleitung natürlich etwas weiter als für eine Betreuung in Schwangerschaft und Wochenbett.
- Hebammenlisten: Der einfachste Weg der Hebammensuche geht über Onlineverzeichnisse mit Hebammen in Deiner Nähe zum Beispiel: midiaid.de, hebammensuche.de oder ammely.de
- Krankenkasse und Gynäkologe: Auch die Krankenkassen haben oft Listen mit zugelassenen Hebammen
- Freunde & Familie: Empfehlungen von anderen Müttern können sehr hilfreich sein, frag doch mal bei deinen Mama- Freundinnen nach
- Online-Plattformen: Es gibt Webseiten und soziale Netzwerke, auf denen Hebammen ihre Dienste anbieten
Melde dich am Besten bei mehreren Hebammen gleichzeitig, denn sowohl der Betreuungsradius als auch Dein Betreuungszeitraum müssen passen.
4. Persönliches Kennenlernen
Ein erstes Gespräch hilft dir herauszufinden, ob die Chemie zwischen euch stimmt. Empfehlenswert ist, dieses nicht nur am Telefon sondern persönlich zu haben. Achte dabei auf:
- Sympathie und Vertrauen
- Leistungsabdeckung und Ablauf der Betreuung
- Erfahrung und Spezialisierungen (z. B. Stillberatung, alternative Heilmethoden)
- Erreichbarkeit und Verfügbarkeit
Solltest du nach dem ersten Kontakt feststellen, dass die Hebamme dir nicht liegt, sage ihr direkt ab, damit sie deinen Platz an eine andere suchende Schwangere vergeben kann. Außerdem ist wichtig, dass lediglich ein Vorgespräch von der Krankenkasse übernommen wird und alle Weiteren Privatleistung sind.
5. Kosten und Krankenkassenleistungen klären
Die meisten Hebammenleistungen werden von der Krankenkasse übernommen. Dennoch kann es sein, dass für spezielle Zusatzleistungen (z. B. Akupunktur, Hypnobirthing) zusätzliche Kosten anfallen. Kläre dies im Voraus mit der Hebamme und deiner Krankenkasse.
6. Flexibilität und Notfallplan berücksichtigen
Falls deine Wunschhebamme ausgebucht ist oder aus unvorhersehbaren Gründen ausfällt, ist es gut, Alternativen in Betracht zu ziehen. Manchmal arbeiten Hebammen in Teams, haben eine Vertretungshebamme oder können Kolleginnen empfehlen.
Leider ist die Hebammenbetreuung in vielen Gebieten nicht gesichert und Hebammen rar, sodass du nicht unbedingt eine große Auswahl hast. Höre dennoch gut auf dein Bauchgefühl und ob du dich mit ihr wohl fühlst, denn sie wird dich lange und in einer sehr sensiblen Zeit begleiten.
Und wenn ich keine Hebamme finde?
Die Betreuung einer Hebamme steht dir eigentlich gesetzlich zu, dennoch kann es sein, dass du keine Hebamme findest.
Es gibt jedoch einige Alternativen und Möglichkeiten, um trotzdem gute Unterstützung in der Schwangerschaft und nach der Geburt zu bekommen:
Alternativen zur Hebamme in der Schwangerschaft
- Gynäkologe/Gynäkologin: Dein Frauenarzt oder deine Frauenärztin kann viele Fragen zur Schwangerschaft beantworten, Vorsorgeuntersuchungen durchführen und dir Tipps geben.
- Schwangerschaftsberatungsstellen: Organisationen wie Pro Familia, Caritas oder AWO bieten Beratungen an
- Online-Kurse & Hebammenberatung: Es gibt Plattformen wie “Meilenstein Akademie” wo du Hebammen online kontaktieren kannst und auch einen Online Geburtsvorbereitungskurs absolvieren kannst.
- Klinik-Hebammen: Manche Krankenhäuser bieten ambulante Hebammensprechstunden an.
Alternativen für die Nachsorge:
- Kinderärzte: Falls du keine Hebamme für die Nachsorge findest, kann auch der Kinderarzt beim Wochenbett Themen wie Gewichtszunahme des Babys begleiten.
- Familien- und Mütterpflegerinnen: Diese können bei Bedarf über die Krankenkasse finanziert werden.
- Stillberatungen: Falls du Fragen zum Stillen hast, helfen Stillberaterinnen (z. B. von La Leche Liga oder AFS)
- Austausch in Eltern-Netzwerken: Lokale Facebook-Gruppen oder Apps wie “Peanut” können helfen, Erfahrungen und Tipps von anderen Eltern zu bekommen
- Rückbildungskurs: Wenn du keinen Vor-Ort Rückbildungskurs findest, dann findest du im Internet gute Online Rückbildungskurse.
Fazit
Die richtige Hebamme zu finden, erfordert etwas Recherche und Zeit, aber die Mühe lohnt sich. Eine vertrauensvolle Hebamme kann dir Sicherheit und wertvolle Unterstützung bieten – vor, während und nach der Geburt.