Untersuchungen in der Schwangerschaft

Vielleicht sitzt du gerade in der Arztpraxis, blickst auf deinen Mutterpass – und fragst dich: „Was passiert heute wohl wieder? Warum gibt es eigentlich so viele Untersuchungen – und brauche ich das alles?“ Falls du dich bei diesem Gedanken erwischt hast: Willkommen im Club! Schwangerschaft ist Abenteuer, Hormonachterbahn – und manchmal auch einfach nur ein riesiger, bunter Untersuchungs-Dschungel. Aber keine Sorge: Gemeinsam finden wir den Weg, der zu dir und deinem Baby passt.

Warum gibt es so viele Untersuchungen? Was steckt eigentlich dahinter?

Wenn du schwanger bist, scheint es, als würde plötzlich jeder wissen wollen, wie es deinem Blutdruck, deinem Urin, deinen Venen und vor allem deinem Baby geht. Das kann verwirrend sein – aber der Gedanke dahinter ist ganz einfach: Möglichst früh erkennen, wenn etwas nicht rund läuft, damit du und dein Baby optimal begleitet seid. Viele der Vorsorgeuntersuchungen gibt es in Deutschland schon seit Jahrzehnten. Und sie haben auch ihren Sinn:

  • Krankheiten früh entdecken (z. B. Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck)
  • Mangelzustände bemerken (z. B. Eisenmangel)
  • Entwicklung des Babys verfolgen (z. B. Herzschlag, Wachstum)
  • Infektionen ausschließen

Trotzdem gilt: Du bist die Chefin im Ring! Nicht alles ist Pflicht – vieles ist Angebot. Jede Untersuchung darfst du hinterfragen. Und keine ist so wichtig wie dein eigenes Bauchgefühl.

Hebammen-Tipp: So behältst du den Überblick!
Nimm dir nach jedem Termin ein paar Minuten Zeit und schreibe in dein Notizbuch, was gemacht wurde, was dich beschäftigt, was du vielleicht nochmal nachfragen möchtest. Dein Mutterpass ist wichtig – aber deine Fragen und Gefühle sind es auch!

Was passiert bei der ersten Untersuchung?

Kaum hast du den positiven Test in der Hand, steht auch schon der erste Termin bevor. Vielleicht kribbelt dir der Bauch – vor Freude, vor Aufregung, vor Unsicherheit. Keine Sorge: Niemand erwartet von dir, dass du alles weißt!

Bei der ersten Vorsorge läuft vieles zusammen:

  • Gespräch: Wie geht’s dir? Gibt es Vorerkrankungen?
  • Blutdruck, Gewicht, Urin: Kleine Checks mit großer Wirkung
  • Blutabnahme: Das große Rätsel (mehr dazu gleich)
  • Erster Ultraschall: Ist die Schwangerschaft intakt? Sieht alles zeitgerecht aus?
  • Mutterpass: Dein persönliches Schwangerschafts-Tagebuch wird gestartet

Was solltest du mitbringen? Am besten: eine Portion Neugier, ein paar aufgeschriebene Fragen, keine Angst vor Fachchinesisch. Jede Frage ist erlaubt!

Das kannst du tun: Vorbereitung für deinen Termin
Schreib dir vor dem Termin auf, was dich beschäftigt – egal, wie „klein“ es dir vorkommt. Ärzte und Hebammen sind dafür da, auch deine Sorgen und Fragen ernst zu nehmen.

Die Blutuntersuchung – was wird eigentlich alles geprüft?

Für viele Schwangere ist das Thema Blutuntersuchung so aufregend wie ein Zahnarztbesuch. Aber hinter dem Pieks steckt eine echte Schatzkiste an Informationen – und fast alles ist unkompliziert:

  • Blutgruppe, Rhesusfaktor: Falls du mal schnell Hilfe brauchst
  • Antikörpertest: Gibt’s Krankheiten, die du übertragen könntest? (HIV, Syphilis, Hepatitis B, Röteln)
  • Eisenwert (Hb): Damit du und das Baby immer genug Sauerstoff bekommen
  • Zuckerbelastungstest: Um Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen (meist 24.–28. Woche)
  • Weitere Tests: z. B. Schilddrüse oder Toxoplasmose (letztere meist Wunschleistung)

Wenn ein Wert mal nicht „perfekt“ ist – nicht gleich Panik! Die meisten Abweichungen lassen
sich gut behandeln, oft reicht schon ein bisschen mehr Eisen oder eine kleine Ernährungsumstellung.

Fachbegriff erklärt: Screening
Screening ist nichts anderes als ein systematischer „Suchtest“, bei dem alle Schwangeren auf typische Probleme gecheckt werden – einfach, damit niemand „übersehen“ wird.

Wusstest du schon?
Die meisten Bluttests werden automatisch von der Kasse bezahlt. Toxoplasmose oder Ringelröteln aber oft nur, wenn du ein konkretes Risiko hast.

Screenings und Standardchecks – Was ist Pflicht, was freiwillig?

Du hast bestimmt schon gehört: „Drei große Ultraschalluntersuchungen sind Standard!“ Das stimmt – aber du darfst trotzdem jederzeit selbst entscheiden, was du wirklich willst

Screenings/Standarduntersuchungen sind u. a.:

  • Ultraschall (ca. 9.–12., 19.–22., 29.–32. SSW)
  • Blutdruck, Urin, Gewicht bei jedem Termin
  • Zuckertest um die 24.–28. SSW
  • Infektionsscreenings, Abstriche
  • Beratung zu Impfungen, Ernährung, Risiken

Freiwillig (Wunschleistungen, IGeL) sind z. B.:

  • 3D/4D-Ultraschallbilder (meist für’s Album)
  • erweiterte Bluttests (z. B. bestimmte Vitamine, Toxoplasmose ohne Risiko)
  • NIPT (Nicht-invasiver Pränataltest, s. u.)

Wusstest du schon?
Die meisten Zusatz-„Wunschleistungen“ musst du selbst zahlen. Du bist aber nie verpflichtet, etwas zu machen – auch nicht, wenn es dir empfohlen wird!

Wenn du älter bist als 30 oder 35 – was ändert sich für dich?

Kaum steht im Mutterpass „35+“, fühlen sich viele Frauen plötzlich wie im Sonderprogramm. Tatsächlich ist das Wort „Risikoschwangerschaft“ vor allem ein medizinischer Fachbegriff, der dich besser schützen soll – und kein Urteil über dich!

  • Schwangere ab 35 bekommen (wenn gewünscht) öfter die Empfehlung zu speziellen Checks (z. B. gezielter Ultraschall, Beratung zur Pränataldiagnostik)
  • Die allermeisten „Risiken“ treten selten auf – auch jenseits der 35 sind die Chancen für eine ganz normale, unkomplizierte Schwangerschaft riesig
  • Du kannst alle Zusatzchecks ablehnen oder nur das machen, was sich für dich richtig anfühlt

Alltagssorge:
„Bin ich jetzt wirklich ein Risiko?“ – Nein! Du bist vor allem eine Frau, die schwanger ist – mit allen Chancen und Freuden. Lass dir keine Angst machen. Wenn du Fragen hast, sprich sie offen an!

Hebammen-Tipp:
Bleib gelassen, höre auf dein Bauchgefühl – und nutze die vielen Beratungsangebote, falls du sie brauchst. Angst ist kein guter Ratgeber.

Genetische Untersuchungen – Muss ich das alles machen?

NIPT, Ersttrimesterscreening, Amniozentese – das klingt nach Hightech und manchmal auch
nach Überforderung.

Aber: Du musst keine genetische Untersuchung machen. Sie sind ein Angebot, keine Pflicht. Du kannst sie nutzen, wenn du

  • wissen möchtest, ob bestimmte Chromosomenstörungen vorliegen könnten
  • älter bist und dir mehr Sicherheit wünschst
  • familiäre Risiken hast oder auffällige Ultraschallbefunde aufgetreten sind

Was steckt hinter den Begriffen?

  • NIPT: Nicht-invasiver Pränataltest – ein Bluttest bei der Mutter, der auf Trisomie 21, 13, 18 prüft. Er ist völlig ungefährlich fürs Baby, gibt aber nur Hinweise, keine 100%ige Diagnose.
  • Ersttrimesterscreening: Ultraschall + Bluttest um die 12. Woche. Zeigt nur eine Risikoabschätzung, keine Diagnose.
  • Amniozentese/Chorionzottenbiopsie: Gewebe- oder Fruchtwasserentnahme – sehr sicher, aber minimal invasiv. Wird nur bei auffälligen Befunden oder Wunsch gemacht.

Du entscheidest selbst, was du wissen möchtest. Und du kannst jede Untersuchung ablehnen.

Das kannst du tun:
Lass dich ausführlich beraten – von deiner Ärztin, deinem Arzt, deiner Hebamme. Es gibt immer Zeit, dich in Ruhe zu entscheiden!

3D/4D und technische Wunder – Schöne Extras oder wichtig?

Wer liebt sie nicht, die ersten „echten“ Babyfotos? 3D- oder gar 4D-Ultraschallbilder zeigen das Baby fast wie im Kino. Aber medizinisch sind sie fast nie notwendig.

  • 3D/4D-Ultraschall ist eine Zusatzleistung, die du in der Regel selbst bezahlst (oft 50–150 Euro)
  • Ein echter Vorteil entsteht nur, wenn beim normalen Ultraschall etwas unklar ist – dann zahlt die Kasse
  • Ansonsten gilt: Schön für’s Familienalbum, aber kein Muss

Wusstest du schon?
Es gibt strenge Regeln für Wunsch-Ultraschall – er sollte nicht „einfach so“ gemacht werden, weil Schallwellen das Baby aufwecken können. Mach’s am besten als besonderes Extra, nicht regelmäßig.

Mehr als Ultraschall: Gynäkologische Checks – Wozu sind die gut?

Neben Ultraschall gibt es auch die guten alten gynäkologischen Untersuchungen:

  • Abstrich vom Muttermund (z. B. Chlamydien, Streptokokken)
  • Tastuntersuchung der Gebärmutter (Größe, Lage, Weichheit)
  • Kontrolle des Muttermunds (besonders zum Ende hin)
  • Urinuntersuchungen (z. B. auf Eiweiß, Zucker, Bakterien)

Diese Checks helfen, Infektionen oder frühzeitige Veränderungen zu erkennen. Sie tun meist nicht weh und können manchmal wichtige Hinweise liefern. Aber: Auch hier darfst du nachfragen, was warum gemacht wird!

Fachbegriff erklärt: Abstrich
Das ist ein Mini-Tupfer, mit dem Zellen oder Keime am Muttermund/aus der Scheide „abgeholt“ werden. Meist dauert’s nur Sekunden – und gibt dir und deinem Baby Sicherheit.

Hebammen-Tipp:
Sag deiner Ärztin oder deiner Hebamme ruhig, wenn dir eine Untersuchung unangenehm ist. Oft kann sie angepasst oder auch mal weggelassen werden.

Welche Untersuchungen machen Sinn – und worauf darfst du verzichten?

Das Wichtigste, was du über Vorsorge wissen solltest: Du entscheidest, was für dich richtig ist. Das heißt:

  • Jede Untersuchung darfst du hinterfragen oder ablehnen
  • Die Kassenleistungen sind ein Mindestangebot – vieles gibt es „on top“, muss aber nicht
  • Du kannst dich jederzeit auch von deiner Hebamme begleiten lassen
  • Sprich Sorgen und Ängste offen an – nichts muss dir peinlich sein

Die beste Expertin für deinen Körper und dein Baby bist immer noch DU. Die Ärzte und Hebammen geben dir den Rahmen, du bestimmst die Richtung. Trau dich, zu fragen, „nein“ zu sagen oder einfach nach einer Zweitmeinung zu fragen.

Wenn du das Gefühl hast, dass eine Untersuchung zu viel ist – frag nach Alternativen! Manches kann später gemacht werden, manches auch einfach weggelassen. Niemand kann dich zwingen.

Zum Schluss: Du bist die Expertin für deinen Bauch

Ob Blutabnahme, Ultraschall, Gespräche oder der kleine Pieks am Finger – am wichtigsten bist du mit deinen Fragen, Gefühlen und deinem eigenen Tempo. Lass dir keine Angst machen von Listen oder Begriffen wie „Risiko“ oder „Pflicht“. Was für dich und dein Baby richtig ist, findest du mit Herz und Kopf heraus.

Und wenn du einmal nicht weiterweißt, frag nach – bei deiner Hebamme, deiner Ärztin oder im Freundeskreis. Gemeinsam ist alles ein bisschen leichter. Du schaffst das – und dein Baby auch.

Hebammen-Tipp:
Manchmal hilft ein bisschen Humor mehr als jedes Laborblatt. Erlaub dir auch, mal zu lachen – und die vielen kleinen und großen Untersuchungen als Teil deiner ganz eigenen Schwangerschaftsgeschichte zu sehen.
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