Verhütung in der Stillzeit

Die Zeit nach der Geburt ist für viele Mütter eine aufregende, aber auch herausfordernde Phase. Neben der Anpassung an das Leben mit Deinem Baby stellt sich oft die Frage nach der passenden Verhütungsmethode, denn früher oder später wird die Zweisamkeit mit Deinem Partner wieder ein wichtiger Teil in eurer Beziehung ausmachen. Während des Stillens gibt es einige besondere Aspekte zu beachten, da nicht alle Verhütungsmethoden geeignet sind und Stillen keinen ausreichenden Schutz bietet. In diesem Artikel erfährst Du, welche Methoden sicher sind und welche passend sind, um Deine Familie schnell zu vergrößern. 😊

Alle Methoden werden mit dem sogenannten Pearl-Index angegeben. Dieser besagt, wie viele Frauen von 100 Frauen pro Jahr trotz der jeweiligen Verhütungsmethode schwanger geworden sind. Je niedriger der Wert, desto sichere ist die Methode.

Ohne Verhütung kannst du theoretisch direkt nach der Geburt Deines Babys, auch voll stillend, wieder schwanger werden.

Kann Stillen eine Schwangerschaft verhindern?

Viele Frauen haben gehört, dass das Stillen selbst als natürliche Verhütungsmethode wirken kann. Dies trifft unter bestimmten Bedingungen zu: Die Methode der Laktationsamenorrhö (LAM) bietet einen Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft, solange:

  • Dein Baby ausschließlich gestillt wird (keine zusätzliche Nahrung oder lange Stillpausen vorhanden sind)
  • Du noch keine Menstruation hattest ( doch wann wird der erste Eisprung sein? Leider vor der ersten Blutung…)
  • Dein Baby jünger als sechs Monate ist

Ist eine dieser Bedingungen nicht mehr erfüllt, nimmt die Zuverlässigkeit von LAM direkt !!! stark ab, und eine zusätzliche Verhütung wird empfohlen.

Aus meiner Erfahrung heraus habe ich aber schon einige kleine Geschwisterkinder betreuen dürfen, die so empfangen wurden- für mich selbst ist Stillen also absolut keine zuverlässige Methode zur Verhütung.

Wann Du deinen ersten Eisprung nach der Geburt haben wirst, ist ganz individuell und auch von Babyzeit zu Babyzeit verschieden. Du kannst die erste Periode direkt nach dem Wochenfluss bekommen oder musst gar 2 Jahre darauf warten.

Schwangerschaftstest und Anti-Baby Pille - Verhütung in der Stillzeit

Geeignete Verhütungsmethoden während der Stillzeit

Nicht alle der angegebenen Methoden bieten ausreichend Schutz vor Geschlechtskrankheiten!

Nicht jede Verhütungsmethode ist während des Stillens unbedenklich, da manche hormonelle Methoden Deine Milchproduktion beeinflussen können. Hier sind einige Alternativen für Dich:

Hormonfreie Methoden

  • Kondome: Einfach, sicher und ohne Auswirkungen auf das Stillen ( Pearl-Index 2-14)
  • Diaphragma oder Portiokappe: Du solltest dies nach der Geburt neu anpassen ( Pearl Index 1-20 und 6)
  • Kupferspirale: Langfristige Methode ohne Hormone ( Pearl Index 0,9-3)
  • Natürliche Familienplanung (NFP): Schwieriger anzuwenden, da sich der Zyklus nach der Geburt erst einpendeln muss und deshalb als weniger sicher einzustufen ist
  • Sterilisation: Eine (fast) endgültige Methode und sollte vor der Geburt bereits abgeklärt worden sein (Pearl-Index 0,1)

Hormonfreie Methoden

  • Gestagenhaltige Verhütungsmittel: Minipille ( Pearl Index 0,5-3) , Hormonspirale (Pearl Index 0,16) , Hormonimplantat oder Dreimonatsspritze sind während der Stillzeit erlaubt, da sie die Milchproduktion kaum beeinflussen
  • Östrogenhaltige Methoden (Kombinationspille, Verhütungsring, Verhütungspflaster): Nicht empfohlen, da sie die Milchmenge verringern können

NFP (Natürliche Familienplanung) im Wochenbett – ist das möglich?

Die natürliche Familienplanung ist im Wochenbett und der Stillzeit nur schwer sicher umsetzbar aber nicht unmöglich- sie ist die Königsdisziplin der Zyklusbeobachtung!

Denn die klassischen NFP Methoden sind im Wochenbett nicht nutzbar denn dein Körper ist aktuell im hormonellen Umbau.

Die Messung der Temperatur ist zwar möglich aber super ungenau aufgrund der neuen Schlafsituation mit Baby und auch die Wundheilung, Nachwehen und das Stillen selbst die Temperatur beeinflussen kann-

Der Zervixschleim ist ebenso schwer zu beurteilen, da Du zuerst über Wochen den Wochenfluss hast und der Zervixschleim danach schneller wechselt als im normalen, ungestörten Zyklus, dies aber in diesem Falle nicht unbedingt etwas mit der (Un-) Fruchtbarkeit zu tun hat. Zudem steigt das Östrogen nicht gleichmäßig sondern schubweise.

Achtung: Alles feuchte ist potentiell fruchtbar😊

Deinen Muttermund kannst du gerne beurteilen und beobachten jedoch verhält er sich im Wochenbett manchmal widersprüchlich und sehr individuell.

Was Du tun kannst:

  • Deinen Körper gut beobachten bis ein wiederkehrendes Schleimmuster auftritt
  • Warten, bis deine Temperatur sich stabilisiert hat- dies kann einige Monate dauern

So erkennst du, wenn wieder ein planbarer Zyklus vorhanden ist und bis dahin: zusätzlich verhüten!

Welche Methode ist die beste für mich?

Die Wahl der richtigen Verhütung hängt von individuellen Faktoren ab, wie Stillgewohnheiten, Verträglichkeit und langfristigem Kinderwunsch. Ein Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt ist ratsam, um die passende Methode zu finden.

Vorab solltest Du aber unbedingt mit deinem Partner über eure weitere Familienplanung reden. Dabei ist nicht zu vergessen: nichts ist in Stein gemeißelt und so eine Entscheidung „endgültig“ zu treffen, ist quasi direkt nach der Geburt eines Babys unmöglich.

Fazit

Auch in der Stillzeit ist es wichtig, sich frühzeitig über sichere Verhütung zu informieren. Während LAM unter bestimmten Bedingungen kurzfristigen Schutz bieten kann, sind hormonfreie oder gestagenhaltige Methoden die sicherere Wahl. Jede Mutter sollte die für sich passende Option wählen – sicher, gesund und abgestimmt auf ihre Lebenssituation.

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